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Ratgeber

Identitätskennzeichen lesen: Was DE, BY, 718 und EG im Oval bedeuten

Das ovale Kennzeichen auf Milch, Wurst, Käse und Fisch besteht aus Land, Bundesland-Kürzel, Zulassungsnummer und EG. Was jeder Teil bedeutet, wo Sie den Betrieb nachschlagen und was das Zeichen nicht aussagt.

Quellen geprüft am 18.9.2026. Sachliche Information, keine Rechtsberatung.

Drei Zeilen in einem Oval

Auf Frischkäse, Wurst, Räucherlachs und Eierschachteln sitzt ein kleines Oval mit drei Zeilen, zum Beispiel DE BY 718 EG. Vorgeschrieben ist es in Anhang II Abschnitt I der Verordnung (EG) Nr. 853/2004 mit den spezifischen Hygienevorschriften für Lebensmittel tierischen Ursprungs. Danach dürfen Lebensmittelunternehmer solche Erzeugnisse nur dann mit einem Identitätskennzeichen in Verkehr bringen, wenn sie in einem zulassungspflichtigen Betrieb hergestellt wurden. Das Zeichen muss oval, leserlich und unverwischbar sein, und es wird angebracht, bevor das Erzeugnis den Betrieb verlässt.

Aufbau des Identitätskennzeichens
Zeile im OvalBeispielBedeutung
obere ZeileDEName oder ISO-Code des Landes, in dem der Betrieb zugelassen ist. Für Deutschland steht DE.
mittlere ZeileBY 718Zulassungsnummer des Betriebs: Kürzel des Bundeslandes und die von der Landesbehörde vergebene Nummer.
untere ZeileEGDer Betrieb ist in der Europäischen Union zugelassen. Statt EG steht auch EU, in anderen Sprachfassungen CE, EC, EF, EK, EY, ES, EÜ, EB, EZ, KE oder WE.

Die drei Angaben sind der komplette Inhalt des Ovals. Ein Firmenname, eine Adresse oder ein Herkunftsland der Rohstoffe stehen dort nicht; sie sind, soweit vorgeschrieben, eigene Angaben an anderer Stelle der Verpackung. Wer wissen will, welcher Betrieb hinter der Nummer steckt, muss sie in der amtlichen Liste nachschlagen, zum Beispiel hier.

Die Zulassungsnummer: Bundesland und Ziffern

Die mittlere Zeile ist die eigentliche Zulassungsnummer. Das Bundesernährungsministerium beschreibt den Aufbau so: auf das Landeskürzel folgt die Zulassungsnummer aus dem Kürzel des Bundeslandes, etwa HH für Hamburg, und einer fünfstelligen Nummer. Bei älteren Nummern kann zusätzlich ein Kürzel für die Betriebsform stehen, zum Beispiel EV für einen Verarbeitungsbetrieb. Solche Nummern gibt es bis heute; was sie bedeuten, steht im Artikel Alte Zulassungsnummern.

Vergeben wird die Nummer nicht vom Bund, sondern von der zuständigen Behörde des Bundeslandes, die auch die Zulassung erteilt und den Betrieb überwacht. Das Kürzel sagt deshalb zuverlässig, in welchem Bundesland der Betrieb liegt. Diese 16 Kürzel gibt es:

Bundesland-Kürzel in der Zulassungsnummer und Zahl der zugelassenen Betriebe
KürzelBundeslandZugelassene Betriebe
BWBaden-Württemberg3.165
BYBayern3.706
BEBerlin98
BBBrandenburg371
HBBremen92
HHHamburg93
HEHessen1.070
MVMecklenburg-Vorpommern257
NINiedersachsen1.401
NWNordrhein-Westfalen2.350
RPRheinland-Pfalz907
SLSaarland202
SNSachsen725
STSachsen-Anhalt370
SHSchleswig-Holstein456
THThüringen532

Zahlen aus der Betriebsliste des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Stand 10.9.2026: 15.795 zugelassene Betriebe in Deutschland.

EG, EU und die Abkürzungen anderer Sprachen

Die dritte Zeile zeigt, dass der Betrieb nach EU-Recht zugelassen ist. Die Verordnung nennt für Betriebe in der Europäischen Union die Abkürzung EG und ihre Entsprechungen in den übrigen Amtssprachen: CE, EC, EF, EK, EY, ES, EÜ, EB, EZ, KE und WE. Auf deutschen Verpackungen steht EG oder EU. Nach Angaben des Bundesernährungsministeriums darf "EG" noch bis zum 31. Dezember 2028 verwendet werden.

Steht in der oberen Zeile ein anderes Landeskürzel als DE, wurde das Erzeugnis zuletzt in einem Betrieb dieses Landes bearbeitet oder verpackt. Die Listen der zugelassenen Betriebe führt dann die dortige Behörde; diese Seite deckt die deutschen Betriebe ab.

Was das Kennzeichen aussagt und was nicht

Das Bundesernährungsministerium fasst die Aussage des Zeichens so zusammen: es zeigt, dass der Betrieb, "der das Produkt zuletzt behandelt oder verpackt hat, nach EU-weiten Hygienestandards arbeitet und entsprechend überwacht wird". Verbraucher erkennen daran, "in welchem Staat und Bundesland das Erzeugnis zuletzt bearbeitet oder verpackt wurde". Zusätzlich zu den sonstigen Vorschriften sichert das Kennzeichen die Rückverfolgbarkeit: Über die Nummer lässt sich der Betrieb eindeutig bestimmen.

Die Herkunft der Rohstoffe ist daraus jedoch nicht abzuleiten.
Bundesernährungsministerium (BMLEH), "Das Identitätskennzeichen"Im Original nachlesen

Ein Beispiel: Ein Joghurt mit einem Kennzeichen aus Bayern wurde in einem bayerischen Betrieb abgefüllt. Woher die Milch kam, steht nicht im Oval. Ebenso wenig sagt das Zeichen etwas über Rezeptur, Qualitätsstufe oder Bio-Standard aus. Und es ist keine Marke: Ein Betrieb kann für viele Auftraggeber produzieren, und ein Handelsunternehmen kann dieselbe Eigenmarke von mehreren Betrieben beziehen. Wie sich das im Regal auswirkt, steht im Artikel Wer stellt die Eigenmarke her.

Wer den Stempel setzt und wo er steht

In der Regel bringt der Betrieb das Kennzeichen selbst an, bevor das Erzeugnis sein Gelände verlässt. Auf verpackter Ware steht es meist klein auf der Rückseite, am Becherrand, auf dem Deckel oder in der Nähe der Zutatenliste.

Wenn die Behörde stempelt

Eine Ausnahme ist frisches Fleisch aus dem Schlachthof: Dort bringt die zuständige Behörde das Zeichen an, in der Praxis der amtliche Tierarzt. Es heißt dann Genusstauglichkeitskennzeichen und sieht dem Identitätskennzeichen zum Verwechseln ähnlich. Was die beiden unterscheidet, ist ein eigener Artikel.

Wann gar kein Oval auf der Packung steht

  • Nicht jedes Lebensmittel trägt ein Oval: Die Pflicht gilt für Erzeugnisse tierischen Ursprungs aus zulassungspflichtigen Betrieben.
  • Einzelhandelsbetriebe, die direkt an Endverbraucher abgeben, brauchen in der Regel keine Zulassung und führen deshalb kein Kennzeichen.
  • Rohe Eier in der Schale sind vom Identitätskennzeichen ausgenommen; auf der Packung steht dafür das Kennzeichen der Packstelle, auf dem Ei selbst der Erzeugercode.

Den Betrieb nachschlagen

Die Listen der zugelassenen Betriebe führt in Deutschland das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in der Datenbank BLtU; die Zulassungen selbst erteilen die Behörden der Länder. Diese Seite bereitet den Datenbestand auf: 15.795 Betriebe mit Adresse, Bundesland und den Sektionen, für die sie zugelassen sind, Stand 10.9.2026.

Für die Suche reicht der mittlere Teil des Kennzeichens. Ob Sie DE BY 718 EG, BY 718 oder DE-BY-718-EG eingeben, spielt keine Rolle. Findet die Suche nichts, hilft der Artikel Kennzeichen nicht in der Liste. Das amtliche Original steht in der BVL-Betriebsliste; der Verordnungstext ist bei EUR-Lex abrufbar.

Häufige Fragen

Was bedeutet die Zahl im ovalen Kennzeichen?

Sie ist die Zulassungsnummer, die die zuständige Behörde des Bundeslandes dem Betrieb vergeben hat. Zusammen mit dem Kürzel des Bundeslandes, etwa BY oder HH, identifiziert sie den Betrieb eindeutig. Die Zahl sagt nichts über Größe, Alter oder Art des Betriebs aus.

Steht auf jedem Lebensmittel ein Identitätskennzeichen?

Nein. Die Pflicht aus Anhang II Abschnitt I der Verordnung (EG) Nr. 853/2004 betrifft Erzeugnisse tierischen Ursprungs, die in einem zulassungspflichtigen Betrieb hergestellt wurden. Rein pflanzliche Lebensmittel tragen kein Oval, ebenso wenig Ware aus Einzelhandelsbetrieben, die direkt an Endverbraucher abgeben, und rohe Eier in der Schale.

Kann ich am Kennzeichen erkennen, woher die Milch oder das Fleisch stammt?

Nein. Das Zeichen nennt den Betrieb, der das Erzeugnis zuletzt bearbeitet oder verpackt hat. Das Bundesernährungsministerium schreibt dazu: "Die Herkunft der Rohstoffe ist daraus jedoch nicht abzuleiten." Herkunftsangaben sind eigene Kennzeichnungselemente.

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Weitere Artikel

Quellen: Verordnung (EG) Nr. 853/2004, Anhang II Abschnitt I (EUR-Lex); Bundesernährungsministerium, "Das Identitätskennzeichen" (bmleh.de); Listen der zugelassenen Betriebe des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BLtU), Stand 10.9.2026; Codes nach der Legende der EU-Kommission (SANCO/2179/2005).

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